“Die Weise des Genusses, des aufnehmenden Verhaltens zur Produktion, der eigenen wie der des Anderen, hängt davon ab, wie wir produzieren, nicht umgekehrt. Produzieren wir als Menschen, dann heißt das allerdings ganz unmittelbar und keineswegs erst im Sinne einer Folgeerscheinung, daß unser Genuß ein anderer ist als bei der entfremdeten Produktion. Schon unsere Produktion selbst ist dann Genuß - insofern könnte andererseits auch von einem Vorrang des Genusses gesprochen werden; denn er bedeutet, sowohl in der Hervorbringung (Produktion) wie im Gebrauch (Genuß), die eigentliche Qualifikation des nicht-entfremdeten, menschlichen, d.h. gesellschaftlichen Produzieren. (…) Die im Rahmen menschlicher Verhältnisse geschehende Produktion läßt mich zum einen mich selbst, meine ‘freie Lebensäußerung’, mein Leben genießen, insofern tätig zu sein und gegenständlich zu werden für mein Sein und Leben selbst konstitutiv ist. Zugleich genieße ich damit zum anderen gewissermaßen dieses Genießen selbst; ich genieße es, mich als tätig, machtvoll, meine Individualität realisierend zu wissen und zu bejahen.”
Guzzoni, Ute (1981): Identität oder nicht. Zur Kritischen Theorie der Ontologie. S. 186f. Freiburg/München: Karl Alber.