“Horkheimer: Wenn wir uns einen Primitiven vorstellen: was ist das Ausrufen eines Namens im Grunde? Doch nur ein Wiedererkennen. Es ist ein Bekanntes. Wo Sprache auftritt, ist es Erinnerung.
Adorno: In der Bibel gibt Adam den Wesen Namen.
Horkheimer: Ja, aber das war im Paradies, d.h. vor dem Sündenfall.
Adorno: Wenn Adam ein primitiver Mensch war, hat er, als er den ersten Hund als Hund benannt hat, diesen doch nicht als Hund wiedererkannt.
Horkheimer: Das kann mich hier nicht berühren.
Adorno: Was hat er wirklich getan?
Horkheimer: Das kann man sich eben nicht vorstellen, daß er den Dingen Namen gegeben hat. Das ist das, was die Sprache nicht macht.
Adorno: Wenn Adam den Hund einen Hund nennt, so ist er von da an ein Hund.
Horkheimer: Adam hat noch gar keine Sprache gehabt; denn er war allein. Sprache wurde es erst, als er auf den Baum deutete und ‘Baum’ sagt, und wenn Eva es später wiederholte. Zur Sprache gehören zwei.”
Diskussionen über Sprache und Erkenntnis, Naturbeherrschung am Menschen, politische Aspekte des Marxismus. [2. Husserls genetische Logik. Das Benennen als Urfunktion der Sprache. 13. Oktober 1939.] In: Horkheimer, Max (1985): Gesammelte Schriften Band 12: Nachgelassene Schriften 1931 - 1949. Herausgegeben von Gunzelin Schmid Noerr. S. 503 - 504. Frankfurt am Main: Fischer.
“In einer wunderschönen Analyse der Möglichkeit des Wahrnehmens der Nacktheit Evas durch Adam (und selbstverständlich auch umgekehrt) hat König diesen Grundgedanken der Verklammerung von Handeln, Sprechen als einer Form des Handelns, Sehen und Wahrnehmen verdeutlicht.
Ausgangspunkt der Analyse ist folgende Stelle des biblischen Berichts nach dem Sündenfall. ‘Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren.’ Natürlich haben Adam und Eva schon vor dem Sündenfall gesehen, dass sie nackt waren; dazu heißt es in der Bibel nach der Erschaffung Evas: ‘Und sie waren nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht.’ Der Umschlag des Sehens des Anderen als nackt in die Wahrnehmung des Nacktseins des Anderen meint nicht nur und nicht einmal vorrangig, dass Adam nun im Wahrnehmen des Nacktseins Evas sich seiner eigenen Nacktheit bewusst wird. Vielmehr wird mit diesem Bewusstwerden das vorige (vor dem Sündenfall), ‘ursprüngliche’ (weil natürlich-geschlechtliche) ‘Verhalten’ zu einem Begehren, dass sich nun - eben weil es kein ursprüngliches Verhalten mehr ist -, soll es handelnd verwirklicht werden, insofern als gerechtfertigt zeigen muss, als beide sich wechselseitig begehren bzw. sich im wechselseitigen Begehren zugleich als Personen mit nicht mehr bloß je eigenem, sondern einem gemeinsamen Begehren (oder gemeinsamen Wollungen) anerkennen. Die Scham ist so einerseits das Bewusstsein der Differenz von natürlich-geschlechtlichem Verhalten und Begehren; andererseits die Wahrnehmung, dass mein Begehren von dem von mir Begehrten als bloß natürlich-geschlechtliches Verhalten wahrgenommen wird resp. werden kann.”
Weingarten, Michael (2003): Wahrnehmen. S. 43. Bielefeld: transcript.
“Seelische Geschehnisse sind nur geistig sichtbar, und die Sprache gibt sie ursprünglich. Der Ausdruck ist hier in einem sowohl das die Sachen Meinende als auch das Organ, kraft dessen allein möglich ist, diese Sache zu sichten.”
König, Josef (1994): Bemerkungen zur Metapher. In Ders.: Kleine Schriften. Herausgegeben von Günter Dahms. Freiburg und München: Karl Alber.