"‘Eigentlich denkt der Denkende gar nicht, sondern macht sich zum Schauplatz geistiger Erfahrung.’ Das ist schwieriger, als die Formulierung Adornos erkennen läßt. Auch das Ich des Essayisten verzichtet nicht ohne weiteres auf sein Vorrecht des Denkens. Will der Essayist sich wirklich zum Schauplatz geistiger Erfahrung machen, so muß er sich selbst überlisten. Um das fertigzubringen, braucht er den Text des andern, der ihm Widerstand engegensetzt. Je fremder, abstoßender dieser für ihn ist, um so größer die Chance, an ihm eine Erfahrung zu machen. Die Kunst des Essayisten besteht darin, den fremden Text stark zu machen, bis das eigene Wissen schließlich nachgibt."
Peter Bürger: Das Denken des Herrn. Bataille zwischen Hegel und dem Surrealismus, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992 (via abendgesellschaft)
(Source: edwardnortonamstrand, via abendgesellschaft)

